Schloss Charlottenburg

Schloss Charlottenburg

Das Schloss Charlottenburg gehört zu den architektonischen Höhepunkten des gleichnamigen Bezirks und kann auf eine lange Geschichte voller Umbrüche und Neugestaltungen sowie einer faszinierenden Königin zurück blicken.

 

Sophie Charlotte und ihr Schloss

Namenspatronin und – wenn man so will – erste Bewohnerin war die schöngeistige und beliebte Fürstin Sophie Charlotte von Hannover (eigentlich Braunschweig und Lüneburg). Sie wurde die Kurfürstin und spätere erste Königin Preußens, nachdem die Vermittlung mit dem Sohn Ludwig XIV. in Frankreich scheiterte. Die lieblose Ehe mit dem Kurfürsten Friedrich III., dem späteren König von Preußen Friedrich I., brachte zwar den späteren Thronfolger Friedrich Wilhelm I. hervor, war aber ansonsten von großer Distanz geprägt. Sophie Charlotte residierte auf dem ihr geschenkten Landsitz, dem Gut Lietzow, im Dorf Lietzenburg, vor den Stadtmauern Berlins und ließ dort das gleichnamige Schloss errichten. Sie gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des damaligen europäischen Adels, sprach fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, spielte Cembalo, sang und war eine Verehrerin und Förderin der Oper. Ihr langjähriger Freund Leibniz war ein gern gesehener Gast im 1699 eingeweihten Schloss und schrieb nach ihrem Tode über jene Besuche: „so genoß ich häufig das Gespräch einer Fürstin, deren Geist und Menschlichkeit von keiner jemals übertroffen wurde.“ Auf ihr Betreiben hin wurde auch eine wissenschaftliche Akademie in Berlin gegründet. Unglücklicherweise wurde die Königin nur 36 Jahre alt und verstarb am 1. Februar des Jahres 1705 bei einem Besuch in Hannover an einer Halsentzündung. Nach ihrem Tod benannte man Schloss und Ort zu ihrem Gedenken, um nicht etwa die Größe dieser Frau zu würdigen, sondern viel mehr, um das politische Renommee der alten Adelsfamilie von Braunschweig und Lüneburg auf die noch junge und unbeachtete Krone Preußens zu übertragen.

 

Ein Schloss im Wandel der Zeit

Die Planung des Schlosses geht auf Johann Arnold Nehring zurück, der wenig später verstarb und von Martin Grünberg als ausführender Architekt beerbt wurde. Nachdem dieser sein Amt niedergelegt hatte, vollendete Andreas Schlüter womöglich die Arbeiten bis zur Eröffnung 1699. Zwei Jahre später übernahm der schwedische Architekt Eosander von Göthe den weiteren Ausbau und verband die flankierenden Hofgebäude mit dem Schloss zur heutigen U-Form. Zwischen 1709 und 1712 entstand die signifikante Kuppel in der Mitte des Schlossgebäudes, sowie eine Orangerie und Kapelle am Westflügel. Der Thronfolger Friedrich Wilhelm I. kümmerte sich wenig um das Schloss und gab das leerstehende Theatergebäude sogar zum Abbruch frei, um eine Schule damit errichten zu lassen. Der Alte Fritz wiederum pflegte das Andenken an seine schöngeistige und ihm daher nahstehende Großmutter und residierte bis zur Einweihung von Schloss Sanssouci im Schloss Charlottenburg. Hier hielt er seine freimaurerische Hofloge ab und ließ das Schloss von dem Freiherrn von Knobelsdorff im Stil des Rokoko umgestalten. Die heute noch zu bewundernde endgültige Form erhielt das Schloss durch den Anbau der kleinen Orangerie sowie des erneuten Baus des Schlosstheaters unter Friedrich Wilhelm II. Sein Nachfolger veränderte hingegen nur wenig an dem Schloss und ließ lediglich nach seinem Exil aufgrund der Napoleonischen Kriege das alte Schlafzimmer der Königin von keinem geringeren als Karl Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil neu gestalten. Letzte Erwähnung fand das Schloss im royalen Sinne mit dem siechenden „99-Tage-Kaiser“, der bis zu seinem Tode hier residierte.

Schloss Charlottenburg im 20. und 21. Jahrhundert

Das 20. dürfte nicht das beliebteste Jahrhundert des Schlosses gewesen sein. 1902 wurde das Schlosstheater in einen Möbelspeicher umgewandelt und im Ersten Weltkrieg dienten große Teile des Gebäudes und angrenzenden Hofes als Lazarett für die vielen Kriegsversehrten des Reiches. In der Nacht zum 23. November des Jahres 1943 wurde das Schloss von mehreren Bomben getroffen und dabei schwer beschädigt. In der Nachkriegszeit wurde es allerdings wieder aufgebaut und beherbergte ab 1960 das Staatliche Museum. Im Jahre 2003 wurde es dann nach einer kompletten Sanierung in altem Prunk wieder eröffnet und diente zwischen 2004 und 2006 als offizieller Sitz des Bundespräsidenten von Deutschland, da das Schloss Bellevue in dieser Zeit saniert wurde. Die endgültige Nutzung steht noch nicht fest, doch wird wohl das geplante Hohenzollernmuseum hier seine Heimat finden. Darüber hinaus kann hier die Porzellan-Sammlung der Königlisch-Preußischen Porzellan Manufaktur (KPM) besichtigt werden.

Die Anfahrt

Das Schloss ist über die S-Bahn am Bahnhof Westend, sowie mit der U-Bahn am Bahnhof Richard-Wagner-Platz bequem zu erreichen. Mit seiner Lage am Spandauer Damm ist es aber auch per Auto gut zu finden, wenngleich es sich um eine etwas preisintensive Parkgebühr-Gegend handelt.