Das Rote Rathaus

Das Rote Rathaus

Das Zentrum der Berliner Macht liegt direkt gegenüber der Marienkirche, im Schatten des Fernsehturms: Das Rote Rathaus. Das über einen gesamten Straßenblock reichende Gebäude verdankt seinen Namen der weithin sichtbaren roten Klinker-Fassade. In einer bewegten Geschichte war es durchgängig Sitz einer Berliner Regierung, wenn auch für einige Jahrzehnte nur für den Ostteil der Stadt.

Errichtung

Das heutige Rote Rathaus wurde zwischen den Jahren 1861 und 1869 an der damaligen Königstraße, unweit des Berliner Stadtschlosses, nach Plänen von Hermann Friedrich Waesemann erbaut. An dieser Stelle standen zuvor das Alte Rathaus, ein Uhrturm sowie die Gerichtslaube, ein kleines zweistöckiges Haus aus dem Jahre 1270, welches als ältester Profanbau Berlins gilt und seither im Babelsberger Park zu bewundern ist. Kurzum, für das seit langem florierende Königreich und seine rasant wachsende Hauptstadt wurde eine neue und vor allem größere Stadtverwaltung gebraucht. Der das gesamte Gebäude beherrschende Turm ist den Türmen der Kathedrale von Laon nachempfunden, wobei allerdings auch das Rathaus der Westpreußischen Stadt Thorn als Vorlage herhalten musste. Daher ist es dem gotischen Stil des damaligen Historismus zuzuordnen – was den Berliner mehr erfreut haben dürfte als dieser Verweis auf das Mittelalter, ist der Abriss von Pranger und Galgen, welche der alten Gerichtslaube zur Wahrung des Rechts angelagert waren. Beachtenswert ist auch das Relief, welches den das Gebäude umlaufende Balkon in der ersten Etage ziert. Dabei handelt es sich um 36 4×6 m große Tafeln, welche die Geschichte des Landes vom 12. Jahrhundert, mit der Eroberung des Deutschen Ritterordens und deren Stadtgründungen, wie z.B. Thorn, bis hin zur Reichsgründung im Jahre 1871 erzählt.

Bewegte Zeiten, bewegte Geschichte

Das nun neu erbaute, große Rote Rathaus war bereits einige Jahrzehnte später zu klein und so wurde zwischen 1902 und 1911 das Berliner Stadthaus am Molkenmarkt errichtet – wie das so ist mit zu kleinen Großprojekten. Dass an dieser Stelle aber alle wichtigen Drähte zusammenliefen, zeigt schon die Installation eines Telefonanschlusses im Jahre 1882. Nachdem die Nationalsozialisten es noch einmal aus Anlass der Olympischen Spiele 1936 umbauten, wurde es infolge des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt. So brauchte man allein für den 1951 beginnenden Wiederaufbau ganze fünf Jahre. In der Folgezeit war es Sitz des Ost-Berliner Bürgermeisters sowie des Ost-Berliner Magistrats. Das West-Berliner Pendant war das Rathaus Schöneberg, auf dessen Balkon sich dann auch John F. Kennedy als Berliner deklarierte. Doch nachdem das Rote Rathaus in der Wendezeit unmittelbar die Großdemonstrationen der DDR-Bürger erlebte, wurde es nach der Wiedervereinigung auch wieder der Sitz des über das gesamte Berlin Regierenden Bürgermeisters. Bei dieser Gelegenheit ist auch der Berliner Senat wieder in das Gebäude an der Rathausstraße Ecke Spandauer Straße gezogen.

Das Rathaus im Hier und Heute

Nachdem 2010 noch einmal der Turm restauriert wurde, erstrahlt das Rathaus in neuem Glanz, unter anderem auch, weil die Ziffernzeiger der Turmuhr neu vergoldet wurden. Zwischen Rathaus und Marienkirche thront der imposante Neptunbrunnen auf dem Rathausplatz, während zur Rechten der Fernsehturm steht und zur Linken das Marx-Engels-Forum zur Spree führt.

Anfahrt

Mit seiner Lage am nahgelegenen Berliner Alexanderplatz, sowie dem Hackeschen Markt, ist das Rote Rathaus hervorragend mit einer Vielzahl öffentlicher Verkehrsmittel zu erreichen. Darüber hinaus wird aber auch seit 2010 an der Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor gebaut, wobei direkt vor dem Rathaus die gleichnamige U-Bahn-Station entstehen wird. Zu Fuß oder mit dem Rad reicht es, den weithin sichtbaren Fernsehturm als Orientierung anzupeilen.