Die Museumsinsel

Die Museumsinsel

Eine Metropole von Format erkennt auch an ihrer weltberühmten Kunstsammlungen und Museen. Petersburg hat seine Eremitage, Paris das Louvre oder New York sein MoMa – Berlin steht weltweit für die Museumsinsel. Auf einer kleinen Insel in der Spree erstreckt sich hier einer der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Museen-Komplexe der Welt. Zwischen der äußersten Inselspitze am Bodemuseum und dem Lustgarten vor der Berliner Dom thematisieren die einzelnen Prachtbauten, die selbst schon eine echte Sehenswürdigkeit darstellen, die großen kulturellen Epochen der Menschheit – und das mit atemberaubenden Exponaten.

 

Geschichte der Museumsinsel

 

Vom verwahrlosten Sumpf zur Perle der Kultur – so könnte man die Geschichte der nördlichen Spreeinsel kurz umreissen. Während im 13. Jahrhundert bereits auf dem höher gelegenen Teil der Insel die Stadt Cölln entstand, lag der nördliche Teil als unbrauchbares Sumpfgebiet brach. Im 17. Jahrhundert entstand dann der Lustgarten auf dem nun Cöllnisches Werder genanntem Inselteil. Sah es zwischendurch wie ein kleiner Hafen und Umschlagplatz mit Kränen und Lagerhäusern aus, so begann im 19. Jahrhundert der Ausbau zur Museumsinsel. Schon 1797 griff König Friedrich Wilhelm II. Pläne auf, auf der Insel ein Museum zu errichten – eine der wenigen bemerkenswerten Handlungen des ansonsten als Taugenichts verschrieenen Nachfolgers des Alten Fritz. König Friedrich Wilhelm III. wiederum gab dem aufsteigenden Bürgertum weiter nach und 1822 legte der talentierte Karl Friedrich Schinkel, der das Gesicht der Stadt nachhaltig prägen sollte, die Pläne für den Umbau und die Neuordnung des gesamten Gebietes vor. Im Übrigen übernahm kein geringerer als Wilhelm von Humboldt die Kommission zur Errichtung des Museums – eine Zeit in der Großprojekte noch kein Problem darstellten und für internationales Prestige sorgen konnten…

 

Das Alte Museum

 

Als erstes entstand 1830 das Alte Museum, das erste öffentliche Museum Preußens und somit genauer gesagt: das älteste Museum. Es gilt nicht nur als Höhepunkt des Schinkelschen Schaffens, sondern generell als eines der bedeutendsten Bauten des Klassizismus. In nur drei Jahren wurde dieser spektakuläre Bau auf dem sumpfigen Untergrund errichtet. Aber auch damals gab es schon kleinere Pannen: Dass heute eine große runde Marmor-Schale vor dem Eingang steht und nicht wie vorgesehen in der Rotunde, dem Hauptraum des Gebäudes, liegt an dem zu kleinen Eingang – was man aber erst vor Ort bemerkte. Das Alte Museums war am Lustgarten liegend zu einem Wahrzeichen für den letzten dort nicht repräsentierten Teil. Gegenüber des Schlosses, der weltlichen Macht, rechts vom Berliner Dom, der göttlichen Macht, und links des Zeughauses, als Vertreter des Militärs, repräsentierte es nicht nur Kunst und Wissenschaft, sondern damit auch das erstarkte Bürgertum. Heute beherbergt das Gebäude die Antikensammlung und steht damit thematisch dem Pergamon-Museum nah.

 

Das Neue Museum

 

1859 folgte der zweite Gebäude-Komplex, das Neue Museum, was anfänglich noch königlich-preußisches Museum hieß. Erbaut wurde es bereits von einem der bekanntesten Schinkel-Schüler: Friedrich August Stüler. Notwendig wurde es, weil die Bestände des Alten Museums nach neuen Räumen verlangten. Thematisch diente es für die Früh- und Vorgeschichte, was sich architektonisch in dem damaligen Ägyptischen Hof niederschlug. Das Gebäude selbst wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört und stand seitdem als Ruine auf der Insel, bis man 1986 begann, den Aufbau zu planen, was 1999 in Angriff genommen wurde und im Jahr 2009 im Zuge der Museumsinsel-Restaurierung zum Abschluss kam. Seither bietet es einer der berühmtesten Berlinerin ein Zuhause: Nofrete.

 

Die Alte Nationalgalerie

 

Im Jahre 1876 wurde einer der schönsten Museumsinselbauten vollendet: die Nationalgalerie – der Beiname „alt“ kam erst später hinzu. Denn anfänglich wurde dieses Museum geplant, um die zeitgenössische und vor allem preußische Kunst würdig auszustellen. Der klassizistische Tempelbau bezog sich zwar eindeutig auf die Vergangenheit, doch war der Bau mit seiner, erst seit kurzem möglichen, Dachverglasung auf dem neuesten Stand der Architektur und Ingenieurskunst und setzte damit Maßstäbe für den künftigen Museumsbau. Heute bietet die Sammlung der Alten Nationalgalerie eine Streifzug durch die Romantik, den Klassizismus, den Biedermeier bis hin zum Impressionismus und der beginnenden Moderne.

Das Bodemuseum

 

1904 eröffnete das Kaiser-Friedrich-Museum, das später nach dem Historiker und einstigen Direktor in Bode-Museum umbenannt wurde. Es ist das nördlichste Gebäude der Museumsinsel und bildet damit die Nordspitze der Insel. Das Museum beherbergt heute zum Einen die Skulpturen-Sammlung und zum anderen das Museum für byzantinische Kunst. Unter den Künstlern der Skulpturen befinden sich Hochkaräter wie beispielsweise Donatello.

 

Das Pergamonmuseum

 

Ein viertel Jahrhundert später entstand nach dem Konzept von Wilhelm von Bode das später Pergamonmuseum genannte Gebäude zwischen Nationalgalerie und Bodemuseum, nachdem ein Vorgänger-Bau abgesackt war und in seinen Ausmaßen auch nicht den Anforderungen gerecht wurde. Heute versammelt das Museum in seinen drei Flügeln Teile der Antikensammlung, das vorderasiatische Museum und das Museum für islamische Kunst. Zu den Höhepunkten gehören dabei der griechische Pergamonaltar, das Markttor von Milet sowie das Ischtar-Tor, eines der einstigen Stadttore Babylons.

 

Die Museumsinsel – Ein Gesamtkunstwerk

 

Seit der Restaurierung und dem Ausbau der Museumsinsel sind auch alle Museen mit Verbindungsgängen und einem Empfangshaus verbunden. Somit bietet der gesamte Inselkomplex heute einen Spaziergang durch die Museumsarchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die kulturellen Höhepunkte vom Zweistromland bis zur einsetzenden Moderne. Die Museumsinsel ist damit weltweit eine der bedeutendsten Museumsanlagen und mehr als einen Besuch wert.