Die Zitadelle Spandau

Die Zitadelle Spandau

Weit im Westen Berlins liegt die kleine Stadt Spandau und obgleich es sich dabei heute nur noch um einen Bezirk handelt, verweisen die Eingeborenen noch immer voller Stolz auf ihre Stadtgeschichte. Ein Bauwerk steht für Spandau wie kein anderes: die Zitadelle Spandau, deren Juliusturm auch das Wahrzeichen des Städtchens ist. Diese besondere Sehenswürdigkeit ist sicher einen besuch wert.

Die Zitadelle vom Mittelalter zur Neuzeit

Es gibt nur wenige Orte in Berlin, die eine so lange Geschichte aufweisen können, wie die Zitadelle zu Spandau. Erbaut wurde die Festung auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Burg in den Jahren 1559 bis 1594 von dem Venezianer Francesco Chiaramella de Gandino. Damit zählt die Zitadelle heute zu den wichtigsten und besterhaltenen Bauten der Hochrenaissance in ganz Europa.

Die heutige Gestalt der Festung verdankt sich ihrer lebhaften Geschichte. So ist von der Renaissance-Fassade durch späteren Beschuss nichts mehr erhalten und der Großteil der Fassaden wurde im 19. Jahrhundert im Stil des Klassizismus erneuert – bei diesen Umbauarbeiten war auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt. Über dem Eingang am Torhaus hängt noch heute das brandenburgische Staatswappen, dessen Kurhut von dem Kurfürsten Friedrich III. nach seiner Krönung zum ersten König von Preußen (Friedrich I.) im Jahre 1701 durch eine Krone ersetzt wurde. Ebenso ließ er das schnallenbesetzte Band anbringen, welches von zwei Adlern getragen, das Wappen umrahmt und den Spruch „Honi soit qui mal y pense“ ziert – zu Deutsch: „Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.“ Dies ist das Motto des ehrwürdigen Hosenbandordens, dem auch viele deutsche Adlige angehörten, u.a. eben auch Friedrich I.

Im Inneren der Festung steht der gotische Saalbau „Palas“, welche 1520 im Stil der Renaissance umgestaltet wurde und als Wohnhaus der Festungsanlage diente. Die 70 unter jenem Fundament gefunden jüdischen Grabsteine aus den Jahren 1244-1474 sind heute in der Bastion Königin ausgestellt und gelten als bedeutender Kulturschatz. Das Glanzstück und Wahrzeichen sowohl der Zitadelle als auch Spandaus ist aber der Juliusturm. Der 30 m hohe Turm verfügt über eine Mauerstärke von über dreieinhalb Metern am Sockel. Das Material des Sockels stammt nach Berechnungen aus dem 13. Jahrhundert – doch weiß niemand genau, wann er gebaut wurde oder wie er zu seinem Namen kam.

Nur von Preußen besiegt

Die Zitadelle wurde natürlich während ihrer langen Geschichte auch belagert. So lagen 1675 die Truppen des schwedischen Königs vor den Toren der Zitadelle – allerdings vergebens. Und 1806 im Krieg gegen Frankreich übergab der Kommandant die Festung ohne den Versuch einer Verteidigung an Napoleon, der sie daraufhin auch besichtigte und besetzte. Dies führte zu dem ironischen Fakt, dass die Festung nur einmal eingenommen wurde – und zwar von preußischen Truppen. Während der Befreiungskriege wurde sie erst durch Artillerie stark beschädigt, u.a. auch der daraufhin von Schinkel erneuerte Juliusturm, und am 26. April 1813 von den französischen Truppen aufgegeben.

Ein berühmtes Gefängnis

Zwar handelt es sich bei dem Kerker der Zitadelle, der im Kellergeschoss des Juliusturmes liegt, nicht um das damit oft verwechselte Kriegsverbrechergefängnis Spandau, in dem Rudolf Heß und Albert Sperr einsaßen. Doch ist auch der Kerker der Zitadelle von namhaften Personen, selbstverständlich gegen ihren Willen, bewohnt worden. Zu den bekanntesten zählt zum Beispiel Anna Sydow, Geliebte des Kurfürsten und Urbild der „weißen Frau“, dem Hofgespenst der Hohenzollern. Ebenso bekannt ist auch ein Insasse von 1821: Friedrich Ludwig Jahn, der neben seinen revolutionären Tätigkeiten auch als Turnvater Jahn in die Geschichte einging.

Knotenpunkt der kulturellen Gegenwart

Heute bietet das Gelände ein umfangreiches Angebot an kulturellen Höhepunkten. Neben dem stadtgeschichtlichen Museum im Zeughaus oder der oben erwähnten Ausstellung der Grabungsfunde in der Bastion Königin, ist die Zitadelle auch immer wieder Veranstaltungsort verschiedenster Konzerte – so gab zum Beispiel Chuck Berry sein letztes Deutschland-Konzert in diesen ehrwürdigen Mauern. Ebenso bietet es den passenden Rahmen für das alljährlich stattfindende Mittelalterfest.

 

Zu erreichen ist die Zitadelle sowohl mit dem Auto als auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Vom Bahnhof Spandau fährt der Bus X33 über den U-Bahnhof Altstadt Spandau der U7 zur Haltestelle Zitadelle Spandau.

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